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FIP bei Katzen: heute behandelbar – aber nicht überall legal

Von Dalia · Zuletzt geprüft: 30. Sept. 2026

Noa, ein sanfter Kater aus unserem Tierschutz, der bei uns zu Hause geboren wurde – in liebevoller Erinnerung
Die feline infektiöse Peritonitis (FIP) galt früher als Todesurteil
Für Noa

Film auf Englisch – vollständiges Transkript weiter unten

Lies die Geschichte

Das ist Noa. Er kam bei uns zu Hause zur Welt, seine Mama war Bati. Er war sanft, ein bisschen zerbrechlich … und ging nie nach draußen.

Noa hatte FIP: feline infektiöse Peritonitis. Am Anfang steht ein sehr verbreitetes Coronavirus, das die meisten Katzen in sich tragen, ohne dass es ihnen schadet. Doch bei einigen wenigen verändert sich das Virus, und der Körper richtet sich gegen sich selbst.

Jahrzehntelang bedeutete FIP vor allem eines: Abschied nehmen. Als Noa krank wurde, gab es kein Heilmittel.

Dann, im Jahr 2019, veröffentlichten Forschende der University of California, Davis eine Studie zu einem antiviralen Wirkstoff namens GS-441524. Die meisten Katzen wurden wieder gesund.

Heute berichten Studien, dass mehr als acht von zehn behandelten Katzen wieder gesund werden.

Anfangs hieß die Behandlung: jeden Tag eine Spritze, zwölf Wochen lang. Vierundachtzig Spritzen insgesamt. Und die brennen. Die Katzen fanden das alles andere als toll. Heute gibt es dafür in vielen Ländern eine Tablette.

Doch noch immer entscheidet dein Wohnort darüber, ob dein Tierarzt das Mittel verabreichen darf. Im Vereinigten Königreich, in Australien, den Niederlanden, den Vereinigten Staaten und Kanada dürfen Tierärzte es legal verschreiben.

In Spanien dürfen sie das noch immer nicht. Katzenhalter stehen hier deshalb vor einer unmöglichen Entscheidung. Manche greifen zu Produkten, die niemand kontrolliert.

Europäische Tierärzte haben die Gesetzgeber aufgefordert, einen legalen Weg zu ermöglichen. Wir hoffen, dass sie bald Gehör finden.

Wenn deine junge Katze Fieber hat, das nicht weggeht, einen dicken Bauch bekommt oder immer weiter abnimmt, geh frühzeitig mit ihr zum Tierarzt. Zeit ist entscheidend.

Noa hat seine Chance nicht bekommen. Wir wünschen uns, dass jede Katze nach ihm ihre bekommt.

Jahrzehntelang bedeutete die Diagnose FIP (feline infektiöse Peritonitis), Abschied nehmen zu müssen. Wir kennen dieses Gefühl nur zu gut: In unserem Verein haben wir Noa an die trockene Form der FIP verloren. Er war ein sanfter Kater, der bei uns zu Hause geboren wurde. Als wir über ihn schrieben, gab es keine Heilung.

Das hat sich geändert. Antivirale Medikamente retten heute die meisten Katzen mit FIP. Doch dein Wohnort entscheidet darüber, ob dein Tierarzt deine Katze damit legal behandeln darf. In diesem Ratgeber geht es um beides.

Was ist FIP?

FIP wird durch das feline Coronavirus (FCoV) verursacht. Dieses sehr verbreitete Virus lebt meist harmlos im Darm von Katzen und wird über den Kot übertragen – besonders dort, wo viele Katzen dieselben Katzenklos benutzen. Bei einem kleinen Teil der infizierten Katzen verändert sich das Virus im Körper und löst eine überschießende Immunreaktion aus. Das ist FIP.

Am häufigsten tritt sie bei jungen Katzen (unter etwa zwei Jahren) auf sowie dort, wo viele Katzen zusammenleben, etwa in Tierheimen, Zuchten und Auffangstationen. Treffen kann es aber jede Katze. FIP entsteht nicht, weil jemand bei der Haltung etwas falsch gemacht hat: Unser Noa war nie draußen.

FIP kann in verschiedenen Formen auftreten:

  • Feuchte FIP (mit Erguss): Flüssigkeit sammelt sich im Bauch- oder Brustraum.
  • Trockene FIP (ohne Erguss): In den Organen entstehen Entzündungsherde, ohne größere Flüssigkeitsansammlungen. Diese Form ist oft schwerer zu erkennen.
  • Okuläre oder neurologische FIP: Das Virus befällt die Augen oder das Gehirn und Rückenmark.

Auf diese Anzeichen solltest du achten

  • anhaltendes Fieber, das auch mit Antibiotika nicht zurückgeht
  • Müdigkeit, wenig Appetit und Gewichtsverlust oder ein Kätzchen, das nicht mehr wächst
  • ein geschwollener, mit Flüssigkeit gefüllter Bauch
  • Atemnot (Flüssigkeit im Brustraum)
  • gelbes Zahnfleisch oder gelbe Haut (Gelbsucht)
  • Veränderungen an den Augen: Trübungen, Farbveränderungen, unterschiedlich große Pupillen
  • unsicherer Gang, Verhaltensänderungen oder Krampfanfälle

Diese Anzeichen können viele Ursachen haben. Wenn du eines davon bei deiner Katze bemerkst, geh mit ihr zum Tierarzt – besonders, wenn sie noch jung ist.

Wie FIP diagnostiziert wird

Es gibt keinen einzelnen Test, der FIP zuverlässig in jedem Fall nachweist. Tierärzte setzen deshalb mehrere Puzzleteile zusammen: Alter und Vorgeschichte der Katze, Blutuntersuchungen (typischerweise erhöhte Globulinwerte und ein niedriger Albumin-Globulin-Quotient), Ultraschall und, falls sich Flüssigkeit angesammelt hat, deren Untersuchung einschließlich eines PCR-Tests auf das Virus. Weil die Behandlung am besten wirkt, wenn sie früh beginnt, ist ein Tierarzt mit FIP-Erfahrung eine große Hilfe.

Vom Todesurteil zur behandelbaren Krankheit

Die Wende kam durch Forschung an der University of California, Davis. In einer 2019 veröffentlichten Feldstudie wurden Katzen, die auf natürlichem Weg an FIP erkrankt waren, mit GS-441524 behandelt. Dieser Wirkstoff ist ein Nukleosidanalogon, das die Vermehrung des Virus verhindert. Die meisten behandelten Katzen wurden wieder gesund und blieben es auch.

Seitdem haben weitere Studien und Behandlungsprogramme in Ländern, in denen das Medikament legal verfügbar ist, von einer Genesung bei mehr als 8 von 10 Katzen berichtet. Eine systematische Übersichtsarbeit zu Studien aus den Jahren 2018 bis 2024 bezeichnete GS-441524 als äußerst vielversprechende Behandlung mit hoher Erfolgsquote.

Auch andere antivirale Medikamente kommen zum Einsatz:

  • Remdesivir, ein eng verwandter Wirkstoff, den der Körper in GS-441524 umwandelt. Es wird häufig zu Beginn der Behandlung als Injektion gegeben, manchmal während eines stationären Aufenthalts.
  • Molnupiravir, ein antivirales Medikament zum Einnehmen. Eine Studie von 2024 mit 118 Katzen ergab eine etwa ebenso gute Wirksamkeit wie bei GS-441524: Bei fast jeder Katze, die die Behandlung abschloss, kam es zu einer Remission – unabhängig davon, welches der beiden Medikamente sie erhielt.

Die Behandlung dauert meist etwa 12 Wochen, begleitet von regelmäßigen Blutuntersuchungen. Manche Katzen erleiden einen Rückfall und brauchen einen zweiten Behandlungszyklus. Dein Tierarzt legt Wirkstoff, Dosis und Dauer fest: Die Dosierung hängt von der FIP-Form und vom Gewicht deiner Katze ab, das sich während der Behandlung verändert.

Von der täglichen schmerzhaften Spritze zu Tabletten

Als GS-441524 erstmals bekannt wurde, bekamen die meisten Katzen es rund 12 Wochen lang täglich unter die Haut gespritzt. Die Injektionen brennen. Viele Halter beschreiben es als einen der schwierigsten Teile der ganzen Behandlung, ihrer Katze 84 schmerzhafte Spritzen geben und sie dafür festhalten zu müssen.

Heute gibt es Tabletten und Kapseln zum Einnehmen, die überall dort häufig eingesetzt werden, wo die Behandlung legal ist. Für die meisten Katzen ist eine tägliche Tablette deutlich angenehmer als eine tägliche Spritze. Injektionen kommen manchmal weiterhin zu Beginn zum Einsatz, bei sehr kranken Katzen oder bei Katzen, die keine Tabletten nehmen können.

Wo die Behandlung legal ist: die Länder im Überblick

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (September 2026) sieht die Lage so aus. Vorschriften können sich ändern – frag deshalb immer deinen Tierarzt nach dem aktuellen Stand.

Land Dürfen Tierärzte antivirale FIP-Medikamente legal bereitstellen?
Großbritannien Ja: GS-441524 (Injektionen und Tabletten) und Remdesivir über Apotheken, die tiermedizinische Rezepturarzneimittel herstellen
Australien Ja: GS-441524 und Remdesivir als Rezepturarzneimittel über Tierärzte
Niederlande Ja: Eine legale Behandlung ist über Tierärzte verfügbar
USA Ja, seit Juni 2024: GS-441524 als Rezepturarzneimittel auf tierärztliche Verschreibung (die FDA erlaubt dies im Rahmen ihrer Leitlinien zur Rezepturherstellung, obwohl es kein von der FDA zugelassenes Medikament ist)
Kanada Ja: GS-441524 als Rezepturarzneimittel über tiermedizinische Bezugswege
Einige weitere europäische Länder (zum Beispiel Zypern, Tschechien, Finnland, Irland, Schweden) Tierärzte können GS-441524 als Rezepturarzneimittel aus Großbritannien bestellen
Spanien Nein: Derzeit gibt es kein legales antivirales FIP-Medikament, das Tierärzte verschreiben dürfen

Europäische Tierärzteorganisationen (die Federation of Veterinarians of Europe und FECAVA) haben die Gesetzgeber aufgefordert, Tierärzten einen legalen Weg zur Anwendung von GS-441524 oder Remdesivir zu eröffnen – gerade damit Halter nicht auf unregulierte Bezugsquellen angewiesen sind.

Was das bedeutet, wenn du in Spanien lebst

In Spanien bringt eine FIP-Diagnose Katzenhalter auch heute noch in eine sehr schwierige Lage. Wirksame Behandlungen gibt es, aber Tierärzte dürfen sie nicht legal verschreiben.

Viele nicht zugelassene GS-441524-Produkte werden im Internet und über Gruppen in sozialen Medien verkauft. Wir verstehen, warum verzweifelte Halter danach suchen, und viele Katzen wurden auf diesem Weg behandelt. Dir sollte aber bewusst sein:

  • Diese Produkte sind nicht zugelassen; ihre Qualität und ihr Wirkstoffgehalt werden daher nicht behördlich kontrolliert.
  • Dosierung, Verlaufskontrollen und Rückfälle erfordern tierärztliche Begleitung. Eine Behandlung ohne Tierarzt birgt ernsthafte Risiken.
  • Die Rechtslage ist für alle Beteiligten unsicher.

Unser Rat:

  1. Sprich offen mit deinem Tierarzt. Frag nach Erfahrungen mit FIP und nach Möglichkeiten zur Diagnose, Verlaufskontrolle und unterstützenden Versorgung. Erkundige dich auch, ob es inzwischen legale Wege gibt, wenn du diesen Text liest.
  2. Suche einen Tierarzt mit Erfahrung in der Katzenmedizin. Eine zweite Meinung oder eine Überweisung kann helfen, besonders um die Diagnose abzusichern.
  3. Schätze Dosierungen niemals auf eigene Faust anhand von Angaben aus dem Internet und gib deiner Katze keine Humanmedikamente ohne tierärztliche Anleitung.

Wir hoffen, dass Spanien und der Rest der EU bald dem Beispiel Großbritanniens, der Niederlande und anderer Länder folgen. Niemand sollte sich zwischen dem Gesetz und dem Leben seiner Katze entscheiden müssen.

Lässt sich FIP verhindern?

Es gibt keinen zuverlässigen Impfstoff, der für den routinemäßigen Einsatz empfohlen wird. Was hilft: die Verbreitung des Coronavirus und Stress zu verringern, besonders dort, wo Kätzchen leben.

  • genügend Katzenklos (eines pro Katze plus ein zusätzliches), täglich ausgeschaufelt und regelmäßig gründlich gereinigt
  • Katzenklos mit Abstand zu den Futternäpfen
  • nicht zu viele Katzen auf engem Raum und kleine, stabile Gruppen
  • möglichst wenig Stress, besonders für Kätzchen und neu angekommene Katzen

In Erinnerung an Noa

Noa kam bei uns zu Hause zur Welt, seine Mama war Bati. Er war immer ein bisschen zarter als seine Schwestern und war nie draußen. Die trockene Form der FIP nahm ihn uns viel zu früh – zu einer Zeit, als es noch keine Behandlung gab. Heute hätte er in vielen Ländern wahrscheinlich eine Chance gehabt. Deshalb haben wir diesen Ratgeber geschrieben. Und deshalb hoffen wir, dass sich die Rechtslage in Spanien bald ändert.

Häufige Fragen

Ist FIP noch immer ein Todesurteil?

Nein, nicht mehr. In Studien und Behandlungsprogrammen werden die meisten behandelten Katzen durch antivirale Medikamente wie GS-441524 und Molnupiravir wieder gesund. Das Problem ist der Zugang: Nicht in jedem Land sind diese Medikamente legal über Tierärzte erhältlich.

Ist die FIP-Behandlung in Spanien legal?

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (September 2026) gibt es kein legales antivirales FIP-Medikament, das Tierärzte in Spanien verschreiben dürfen. In Ländern wie Großbritannien, Australien, den Niederlanden, den USA und Kanada ist eine solche Behandlung legal über Tierärzte verfügbar. Frag deinen Tierarzt immer nach dem aktuellen Stand.

Wird FIP mit Spritzen oder Tabletten behandelt?

Anfangs bestand die Behandlung aus einer täglichen Injektion unter die Haut über etwa 12 Wochen. Heute werden häufig Tabletten und Kapseln zum Einnehmen eingesetzt, wo die Behandlung legal ist. In manchen Fällen kommen weiterhin Injektionen zum Einsatz, zum Beispiel zu Beginn der Behandlung.

Ist FIP für andere Katzen ansteckend?

Das zugrunde liegende feline Coronavirus wird leicht über den Kot übertragen. FIP selbst entsteht jedoch erst im Körper einer einzelnen Katze, wenn sich das Virus verändert. Gute Katzenklohygiene und wenig Stress helfen, das Risiko in Mehrkatzenhaushalten zu senken.

Sollte ich FIP-Medikamente im Internet kaufen?

Nicht zugelassene Produkte werden vielerorts angeboten, ihre Qualität wird aber nicht behördlich kontrolliert. Außerdem müssen Dosierung und Verlauf der Behandlung tierärztlich begleitet werden. Sprich zuerst mit deinem Tierarzt und schätze Dosierungen niemals auf eigene Faust.

Quellen

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